Die Microblogging Plattform Bluesky ist über Nacht zum neuen heißen Ding geworden.
Doch wir sprechen hier nicht von „heiß“ wie bei TikTok und seinen hunderten Millionen neuer Gen Z-Nutzer, denn Bluesky hat erst knapp die 33-Millionen-Marke geknackt. Und wirklich neu ist die Plattform auch nicht, denn es gibt sie schon seit fast fünf Jahren.
Hier geht es um eine andere Art von „heiß“. Heiß im Sinne von: Die beliebtesten Schriftsteller, Journalisten, Akademiker, Forscher, Schauspieler, Künstler, Creators, Comedians und andere bekannte Persönlichkeiten tummeln sich plötzlich auf der Plattform.
Bluesky hat nicht den explosionsartigen Anstieg der Nutzerzahlen erlebt, den wir bei Apps wie TikTok beobachten konnten. Seit November erfreut sich die Plattform jedoch wachsender Beliebtheit bei Menschen, die etwas Interessantes zu sagen haben und dies am liebsten in kurzen, prägnanten Beiträgen tun.
Nach den einschneidenden Veränderungen bei X/Twitter, die der Verkauf des Unternehmens im Jahr 2022 mit sich brachte, wandten sich viele Nutzer von der Plattform ab. Sie hielten X/Twitter nicht mehr für das Richtige und begannen, nach einer Alternative mit ähnlichen Funktionen zu suchen. Neue Microblogging Plattformen schossen wie Pilze aus dem Boden und erhofften sich, Twitter ernsthafte Konkurrenz zu machen.
Während viele von ihnen schnell wieder von der Bildfläche verschwanden, gelang einigen wenigen der Aufbau einer ausreichend großen Nutzerbasis, um zu überleben. Mastodon zog als mögliche Alternative zu Twitter viel Aufmerksamkeit auf sich, allerdings ist die Nutzererfahrung etwas zu schwerfällig und für viele zu verwirrend. Mastodon hat derzeit etwa 10 Millionen Nutzer.
Instagram Threads hingegen bot genau das, was man von Meta erwartet: durchdacht, ansprechend gestaltet und benutzerfreundlich. Durch die einfache Integration mit Instagram konnte Meta einen erheblichen Nutzerzuwachs verzeichnen, sowohl bei Einzelpersonen als auch bei denjenigen, die Instagram für ihr Unternehmen nutzen. Die Plattform hat derzeit 320 Millionen monatlich aktive User und ist damit in Bezug auf das reine Volumen ein größerer Konkurrent für Twitter.
Das ist fast das Zehnfache der aktuellen Nutzerzahl von Bluesky. Weshalb entscheiden sich einige Nutzer dennoch für Bluesky und nicht für Threads? Was macht das Publikum für das Social Media Marketing interessant? Schauen wir uns genauer an, was die Plattform zu bieten hat.
Inhalt
Was genau ist Bluesky?
Weshalb entscheiden sich Nutzer für Bluesky?
Wer hat Bluesky entwickelt?
Wem gehört Bluesky?
Ist Bluesky das Richtige für eure Marke?
Was genau ist Bluesky?
Bluesky ist eine Microblogging Plattform, auf der Beiträge mit bis zu 300 Zeichen sowie Bilder und Videos veröffentlicht werden können. Die Timeline bietet viele verschiedene Optionen, aber in der einfachsten Form wird ein einfacher Feed mit den neuesten Beiträgen der Accounts, denen man folgt, in umgekehrter chronologischer Reihenfolge angezeigt – genau wie in den frühen Tagen der sozialen Medien. Diese Einfachheit erfreut sich bei vielen Nutzern, die die neue Ära der algorithmisch gesteuerten Timelines nicht mögen, großer Beliebtheit.
Dann gibt es die Discover-Timeline (oder Feed, wie sie bei Bluesky genannt wird), die mithilfe eines Algorithmus Inhalte vorschlägt, die dich interessieren könnten. Eine der cleveren Funktionen von Bluesky ist jedoch die Erstellung eines benutzerdefinierten Feeds, der auf deinem eigenen Algorithmus basiert und mit anderen Nutzern geteilt werden kann. Weitere Optionen sind der „What's Hot“ Feed, der die beliebtesten Inhalte der Plattform anzeigt, der BookSky Feed für Leseratten, der „Popular With Friends“-Feed, der Inhalte auflistet, die von den Personen, denen man folgt, geliked wurden, sowie Hunderte weiterer Feeds zu einer Vielzahl von Themen.
Du kannst auswählen, welche Feeds du zu deinem Profil hinzufügen möchtest, und ganz einfach zwischen ihnen hin- und herwechseln. Wenn du die App (Web oder Mobil) öffnest, wird standardmäßig der Feed deines letzten Besuchs der App angezeigt. Auch die Anzeige von Antworten, Threads, Re-posts und Zitat-Posts in deinen Timelines lässt sich flexibel einrichten und ganz nach deinen Wünschen anpassen.
Um die Relevanz eines Beitrags zu einem bestimmten Thema hervorzuheben, können Hashtags verwendet werden. Durch Anklicken eines Hashtags werden alle anderen Beiträge angezeigt, in denen es verwendet wird. Diese können dann nach Beliebtheit oder Aktualität sortiert werden.
Die kürzlich hinzugefügte Beta-Version des „Trending Topics“ Systems von Bluesky ermöglicht die Entdeckung der wichtigsten Diskussionsthemen des Tages. Die Funktion steckt jedoch noch in den Kinderschuhen und bietet nur begrenzten Nutzen.
Die Account-Profile sind einfach gehalten – du kannst ein Profilbild, ein Bannerbild, einen Display-Namen, der nicht dein richtiger Name sein muss, und eine 256 Zeichen lange Bio hinzufügen. Es können mehrere Profile eingerichtet und über denselben Account verwaltet werden. Dies ist nützlich, um einen geschäftlichen von einem privaten Account zu trennen und dennoch mühelos auf beide zugreifen zu können.
Bluesky bietet kein Verifizierungssystem in Form eines blauen Häkchens. Wer jedoch eine Web-Domain besitzt, kann diese zur Einrichtung des Bluesky-Handle verwenden. Netflix verwendet beispielsweise das Handle @netflix.com. Dies funktioniert de facto als Verifizierungssystem, da nur der Eigentümer eines Domain-Namens die erforderlichen Einstellungen vornehmen kann, um ihn als Bluesky-Profilnamen zu verwenden.
Weshalb entscheiden sich Nutzer für Bluesky?
Bluesky kommt dem ursprünglichen Twitter Benutzererlebnis wesentlich näher als Threads, dessen Look & Feel sich deutlich unterscheidet. Ein noch signifikanterer Aspekt ist jedoch der komplett andere Vibe, auch wenn dieser in Social Media Statistiken kaum quantifiziert werden kann.
Threads hat ein rasantes Wachstum hingelegt, weil die Instagram Nutzer auf die Plattform gelockt wurden und sich die dort entstandene Community wie eine Erweiterung von Instagram anfühlt. Das bedeutet aber nicht, dass die Plattform keinen Spaß macht – die vielen hochkarätigen Accounts sorgen für ein durchaus unterhaltsames Social Media Erlebnis. Aber für langjährige Twitter-Nutzer ist es einfach nicht dasselbe.
Twitter hat seine Nutzer zwar nicht zu Bluesky migriert, doch die beiden Plattformen sind aus demselben Holz geschnitzt. Das wird bei der Nutzung von Bluesky sofort deutlich, sowohl in Bezug auf die Benutzeroberfläche als auch auf die Art der Community, die sich dort angesiedelt hat. Auf Bluesky ist es wahrscheinlicher, Chats und Witzeleien von Historikern und Autoren zu finden, die sich über eine wichtige Nachricht austauschen, während man auf Threads eher Account von bekannten Marken sieht, die auf virale Trends aufspringen.
Wenn Instagram ein hipper Nachtclub ist, dann ist Threads eine laute Bar und Bluesky eine Dinnerparty voller interessanter Menschen.
Ein Faktor, der zur Schaffung einer solchen Umgebung auf Bluesky beiträgt, sind die „Starter Packs“, kuratierte Listen von Accounts, die jeder erstellen kann und die sich in der Regel auf ein bestimmtes Interessengebiet konzentrieren. Ganz gleich, ob du dich für Geschichte, aktuelle Ereignisse, Wissenschaft, Stand-up-Comedy oder ein anderes Thema interessierst, besteht eine gute Chance, dass Bluesky bereits ein Starter Pack mit den besten Profilen zum Folgen erstellt hat.
Dies hilft neuen Nutzern, von Anfang an den größtmöglichen Nutzen aus der Plattform zu ziehen, denn sie müssen nicht viel Zeit damit verbringen, nach interessanten Profilen zu suchen. Neue Nutzer finden also keine leere Timeline vor – eine der größten Herausforderungen bei der Aufgabe, Menschen nach der Erstellung eines Accounts von der weiteren Nutzung einer Social Media Site zu überzeugen. Sie erhalten sofort das Gefühl, Teil einer interessanten Community zu sein.
Wer hat Bluesky entwickelt?
Bluesky wurde 2019 als internes Twitter Projekt entwickelt und hatte zum Ziel, eine dezentralisierte Social Media Plattform zu schaffen. Die Idee entstand aus der Erkenntnis, dass Twitter zwar ein wertvolles und weit verbreitetes Kommunikationsmittel für Echtzeit-Updates ist, jedoch als eine von einem einzigen Unternehmen betriebene und kontrollierte Plattform äußerst verwundbar war.
Ziel war es, eine Twitter-ähnliche Plattform zu entwickeln, die der Funktionsweise des Internets näher kommt – basierend auf offenen, dezentralen Protokollen. Dadurch soll das Netzwerk auch dann noch funktionieren, wenn ein Teil davon ausfällt oder eine einzelne Plattform wie Bluesky nicht mehr existiert.
Aus dem Projekt ist das AT-Protocol hervorgegangen, ein Open-Source Social Media-Standard. Es ermöglicht den Nutzern, ihre gesamten Profile, Inhalte und Verbindungen zwischen verschiedenen Plattformen auszutauschen. Entwicklern bietet es die Grundlage für die Entwicklung robusterer und unabhängiger Social Media Plattformen. Bluesky selbst wurde als Wirksamkeitsnachweis für das AT-Protokoll und zur Demonstration seiner Funktionalität entwickelt.
Im Jahr 2024 war das AT-Protocol noch in aktiver Entwicklung und wurde außerhalb von Bluesky kaum genutzt. Dennoch hat Bluesky viel Aufmerksamkeit erregt und eine stetig wachsende Nutzerbasis aufgebaut.
Wem gehört Bluesky?
Im Jahr 2021 wurde Bluesky als Bluesky Social PBC aus Twitter ausgegliedert. Bluesky Social PBC ist eine unabhängige gemeinnützige Gesellschaft, eine besondere Unternehmensform, bei der die Direktoren nicht nur ihren Aktionären gegenüber rechenschaftspflichtig sind, sondern auch einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben müssen. Das Unternehmen gehört heute dem CEO Jay Graber und mehreren anderen Mitarbeitern. Im Fall von Bluesky lautet die erklärte gesellschaftliche Mission: „Entwicklung und Förderung der großflächigen Einführung von Technologien für offene und dezentrale öffentliche Gespräche.“
Ist Bluesky das Richtige für eure Marke?
Für Social Media Manager, die mit dem Gedanken spielen, Zeit und Geld in Bluesky zu investieren, gibt es keinen triftigen Grund, nicht mit der Plattform zu experimentieren. Wer bereits Inhalte für X/Twitter oder Threads erstellt, kann diese problemlos auf Bluesky wiederverwenden.
Das Community Management auf der Plattform kann einen gewissen Mehraufwand bedeuten, der aber aufgrund der relativ geringen Nutzerzahlen zunächst gering sein dürfte. Mit zunehmendem Wachstum der Plattform kann dann beurteilt werden, ob die damit verbundene Steigerung der Reichweite und des Engagements einen lohnenden Return on Investment bietet.
Derzeit ist die Präsenz von Marken auf Bluesky noch relativ gering. Dies erhöht die Chance für Vorreiter, sich auf der Plattform einen Namen zu machen und eine Fangemeinde aufzubauen.